Kloster Fürstenfeld: Barocke Pracht vor Münchens Toren
Westlich von München liegt mit Kloster Fürstenfeld eine ehemalige Zisterzienserabtei, deren heutiges Erscheinungsbild vor allem vom Barock geprägt wird. Die weitläufige Anlage entstand jedoch aus einer mittelalterlichen Stiftung des bayerischen Herzogshauses. Besonders die Kirche Mariä Himmelfahrt beeindruckt durch ihre gewaltige Raumwirkung, farbenreiche Deckenmalerei und eine Fülle plastischer Figuren. Hinter dieser Pracht steht eine wechselvolle Geschichte, die von klösterlichem Leben, fürstlicher Förderung und der Säkularisation erzählt. Während die Kirche weiterhin religiös genutzt wird, haben die ehemaligen Klostergebäude neue Aufgaben erhalten. Der Rundgang verbindet deshalb Kunstgeschichte mit der Frage, wie historische Bauwerke über Jahrhunderte erhalten und weitergenutzt werden können.
Die Geschichte des Klosters Fürstenfeld beginnt im Jahr 1263. Herzog Ludwig II. von Bayern gründete die Zisterzienserabtei als Sühne für die Hinrichtung seiner ersten Ehefrau Maria von Brabant. Damit steht am Anfang des Klosters ein Ereignis, das bis heute zu den bekanntesten Episoden der wittelsbachischen Familiengeschichte gehört. Die Mönche folgten den Regeln des Zisterzienserordens, der großen Wert auf gemeinschaftliches Leben, Gebet und wirtschaftliche Eigenständigkeit legte. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Fürstenfeld zu einer bedeutenden geistlichen Einrichtung. Die heute sichtbaren Gebäude stammen allerdings überwiegend aus späterer Zeit. Besonders der barocke Ausbau veränderte das Erscheinungsbild grundlegend. Wer die Anlage von außen betrachtet, erkennt daher weniger ein mittelalterliches Kloster als eine großzügig gestaltete Architektur, die vom Selbstverständnis ihrer späteren Bauherren erzählt.
Beim Betreten der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt eröffnet sich ein Raum, dessen Größe und Ausstattung zunächst kaum vollständig zu erfassen sind. Hohe Pfeiler gliedern das lange Kirchenschiff, während sich darüber ein reich gestaltetes Gewölbe spannt. Seitenaltäre, Figuren und vergoldete Ornamente begleiten den Blick bis zum Hochaltar. Die heutige Kirche entstand im Zuge der barocken Neugestaltung der Klosteranlage. Ihre Architektur folgt einem Konzept, das den Kirchenraum als zusammenhängendes Kunstwerk versteht. Einzelne Bauteile treten dabei nicht isoliert hervor, sondern sind aufeinander abgestimmt. Besonders eindrucksvoll wirkt die Verbindung aus hellen Flächen, farbigen Fresken und plastischem Schmuck. Die große Raumtiefe verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Für Besucher lohnt es sich, zunächst die Gesamtwirkung aufzunehmen und anschließend die zahlreichen Einzelheiten genauer zu betrachten.
Die Deckenmalerei gehört zu den auffälligsten Kunstwerken der Fürstenfelder Klosterkirche. Über dem Kirchenschiff entfalten sich figurenreiche Szenen, die von aufwendigen Ornamenten und plastischen Stuckelementen eingefasst werden. Gemalte Architektur und wirkliche Bauteile greifen dabei ineinander. Die Fresken stammen von Cosmas Damian Asam, der zu den bedeutenden süddeutschen Barockmalern zählt. Seine Bilder sollten nicht nur religiöse Inhalte vermitteln, sondern auch den Eindruck eines nach oben geöffneten Raumes erzeugen. Figuren erscheinen in Bewegung, Wolken verbinden verschiedene Bildebenen und Lichtwirkungen verstärken die räumliche Illusion. Aus der Entfernung entsteht ein geschlossenes Gesamtbild. Erst beim näheren Betrachten werden die einzelnen Gestalten und Szenen deutlich. Die Fotografien zeigen, wie sorgfältig Malerei und Stuck aufeinander abgestimmt wurden und den gesamten Kirchenraum prägen.
Neben den großen Deckenbildern verdienen die plastischen Figuren besondere Aufmerksamkeit. Engel, Heilige und allegorische Gestalten scheinen sich aus den architektonischen Rahmen zu lösen. Ihre Körperhaltungen sind bewegt, die Gewänder werfen tiefe Falten und zahlreiche Details werden durch Vergoldungen hervorgehoben. Die Bildhauer und Stuckateure nutzten diese Mittel, um den Eindruck von Lebendigkeit zu steigern. Dabei sind die Figuren nicht bloß dekorativer Schmuck. Sie gehören zum religiösen Bildprogramm und verbinden die verschiedenen Bereiche des Kirchenraums miteinander. Besonders aus der Nähe zeigt sich die handwerkliche Präzision, mit der Gesichter, Hände und Gewandpartien gestaltet wurden. Manche Einzelheiten sind vom Kirchenboden kaum zu erkennen. Fotografische Detailaufnahmen machen deshalb sichtbar, wie viel künstlerische Arbeit selbst in den hoch gelegenen Bereichen der Kirche steckt.
Zwischen den prachtvollen Altären und Deckenbildern erinnert das hölzerne Chorgestühl an die ursprüngliche Funktion der Kirche. Für die Zisterzienser war das gemeinsame Stundengebet ein fester Bestandteil des Tagesablaufs. Die Mönche versammelten sich zu bestimmten Zeiten, um Psalmen und Gebete zu sprechen oder zu singen. Das Gestühl bot ihnen dafür einen geordneten Platz innerhalb des Kirchenraums. Seine Gestaltung verbindet praktische Anforderungen mit handwerklicher Sorgfalt. Reihen von Sitzen, hohe Rückenwände und geschnitzte Einzelheiten prägen das Erscheinungsbild. Im Gegensatz zu den farbenreichen Fresken wirkt das dunkle Holz vergleichsweise zurückhaltend. Gerade dieser Unterschied macht das Chorgestühl interessant. Es erinnert daran, dass die monumentale Kirche nicht nur zur Repräsentation diente, sondern über Jahrhunderte Mittelpunkt eines streng geregelten klösterlichen Alltags war.
Mit der Säkularisation von 1803 endete die Geschichte Fürstenfelds als Zisterzienserkloster. Die Gebäude verloren ihre ursprüngliche Funktion und wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte unterschiedlich genutzt. Diese Veränderungen gehören ebenso zur Geschichte des Ortes wie die mittelalterliche Gründung und der barocke Ausbau. Heute ist die ehemalige Klosteranlage ein wichtiger kultureller Standort in Fürstenfeldbruck. Veranstaltungen und Ausstellungen bringen Besucher in Gebäude, die einst dem religiösen Gemeinschaftsleben dienten. Auch die weitläufigen Außenanlagen prägen den Charakter des Ensembles. Zwischen Grünflächen, Wasserläufen und langgestreckten Fassaden lässt sich die Größe der früheren Abtei besonders gut erkennen. Der Blick von außen ergänzt damit die Eindrücke aus der Kirche. Fürstenfeld zeigt, wie ein historisches Kloster nach dem Ende seiner ursprünglichen Nutzung eine neue Bedeutung erhalten kann.
Siegfried